07.09.2021

Für den kleinen Kapitalhunger – vergünstigtes Mikromezzaninkapital unterstützt Wirt vom historischen Gasthaus Trompeter

Es braucht nicht immer das ganz große Geld, um etwas zu bewegen. Was zunächst nach einer Alltagsweisheit klingt, wird wissenschaftlich durch das Pareto-Prinzip gestützt. Das auch als 80/20-Regel bezeichnete Prinzip ist nach dem italienischen Ökonomen Vilfredo Pareto benannt. Demnach lassen sich mit 20 % des Aufwands bis zu 80 % des gewünschten Ergebnisses erreichen. Dass schon ein überschaubarer Finanzeinsatz ausreicht, um eine beachtliche Wirkung zu erzielen, beweist der Gastronom Stephan Flügge. Seit zwei Jahren führt er das Traditionshaus „Trompeter“ in Dresden-Bühlau.

Noch vor der COVID-Pandemie machte er von einer Mikromezzaninfinanzierung Gebrauch. Bei dieser Form der stillen Beteiligung stellt die MBG Eigenkapital in einer Höhe von bis zu 50.000 Euro für kleine und junge Unternehmen bereit. Flügge nutzte das frische Kapital, um einen erfolgreichen Catering-Service aufzubauen. Wie bei vielen anderen Selbständigen durchkreuzte die Pandemie zuletzt auch seine Finanzplanung. Angesichts der weiter angespannten Wirtschaftslage hat die MBG die Konditionen für Mikromezzaninbeteiligen nun zu Gunsten ihrer Kundinnen und Kunden verbessert: Statt der üblichen 8 % fallen bis Ende 2023 nur 4 % Festentgelt pro Jahr an. Die Mikromezzaninbeteiligungen werden über Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und über das ERP-Sondervermögen des Bundes co-finanziert.

In dem seit 1870 bestehenden Gasthaus Trompeter serviert Flügge zeitlose, gutbürgerliche Küche – oder um es mit seinen Worten zu sagen: „Wir kochen ehrlich, mit frischen Zutaten und ohne Konservierungsstoffe. Wenn unsere Gäste sagen ‚Der Sauerbraten schmeckt wie zu Hause bei meiner Mutter‘ ist das für uns das schönste Kompliment.“ Der gelernte Koch arbeitete auch schon als Küchenchef in der gehobenen Gastronomie bevor er sich 2016 selbständig machte. In der Dresdner Neustadt eröffnete er zunächst ein Lokal für gesunde Burger. Im Zuge seiner Existenzgründung hatte Flügge einen Kredit aufgenommen, der ihn ins Geschäft mit der BBS brachte. So war der Weg zur MBG, der Schwesterinstitution der BBS, dann kurz, als er wenig später eine Wachstumsfinanzierung benötigte. Seine Idee war, das stationäre Geschäft mit einem Catering-Service für Großevents zu erweitern. „Ich entschied mich damals für eine Beteiligung, weil diese Finanzierungsform relativ einfach zugänglich ist. Meine Anfrage bei der MBG wurde dann sehr schnell bearbeitet und ich konnte schon bald den Zahlungseingang auf meinem Konto verbuchen“, erinnert sich Flügge zurück. So konnte er kurzfristig ein professionelles Cateringzelt sowie Geräte für die mobile Speisezubereitung anschaffen und den bevorstehenden Sommer voll auskosten: Bei Veranstaltungen wie Hochschulfesten oder dem Palaissommer in Dresden war sein Stand stets gut besucht.

Im Folgejahr standen bei Flügge jedoch schlechte Nachrichten ins Haus: Das Gebäude, in dem sein Burgerlokal beheimatet war, sollte verkauft und zu einer Großbaustelle werden. Bei der schwierigen Suche nach einem neuen Gewerbeobjekt kam er mit dem Eigentümer vom Trompeter in Kontakt. Dieser hielt damals gerade Ausschau nach einem neuen Betreiber. Flügge ergriff die Gelegenheit. Seit Herbst 2019 obliegt ihm nun die kaufmännische und gastronomische Leitung des historischen Gasthauses. So vielseitig wie der Gastronom, so anpassungsfähig zeigte sich auch die MBG. Sie trug seine Entscheidung mit und hielt an ihrer Beteiligung fest. Bei einer Mikromezzaninfinanzierung erstreckt sich die Laufzeit über sieben bis zehn Jahre, wobei die Tilgung erst in den letzten drei Jahren erfolgt. Die Vorteile liegen für Flügge auf der Hand: „Es ist beruhigend zu wissen, dass ich als Unternehmer mehrere Jahre Zeit habe, das Beteiligungskapital zurückzuzahlen. Ich kann mit dem Geld arbeiten ohne direkt unter zeitlichem Erfolgsdruck zu stehen.“ Somit unterstützt eine Mikromezzaninbeteiligung gerade auch Investitionen, die sich erst nach einigen Jahren re-finanzieren. Zudem verleiht sie Gewerbetreibenden zusätzliche Vertrauenswürdigkeit bei den Hausbanken, was sich in verbesserten Konditionen für bestehende Kredite und zu neuen Kreditspielräumen niederschlagen kann.

Mit der Absenkung des Festentgeltes für Mikromezzaninbeteiligung reagieren die MBG und ihre Kapitalgeber nun auf die Auswirkungen der Coronapandemie. Vor allem die temporären Schließungen haben dem Gasthaus Trompeter zu schaffen gemacht. Ein Außer-Haus-Service wurde wieder eingestellt, weil Kosten und Einnahmen in keinem Verhältnis standen. Den Lockdown hat der Wirt genutzt, um das altehrwürdige Restaurant neu herzurichten. So wurden u. a. neuer Fußboden verlegt und neue Lampen angebracht. Seit Juni ist der Trompeter nun wieder jeden Tag ab 11 Uhr geöffnet. „Bei uns gibt es keine Ruhetage. Wir wollen eine verlässliche Anlaufstellstelle für Menschen aus Nah und Fern sein und den passenden Rahmen für verschiedenste Anlässe bieten“, erklärt Flügge. „Bei uns kann man sowohl tagsüber eine Wanderpause einlegen und ein Eis im Biergarten essen als auch am Abend ein komplettes Menü mit Blick auf den Kamin in unseren gemütlichen Gasträumen genießen.“ Bauchschmerzen bereitet ihm aktuell die Personalnot in der Branche, die durch die Pandemie verschärft wurde. Zwar habe er aktuell genügend Beschäftigte. Allerdings dürfe niemand ausfallen, um die Öffnungszeiten halten zu können. Dabei möchten die Menschen gerade jetzt, nach Monaten des Daheimbleibens, wieder ausgehen und Restaurants besuchen. Das zumindest beobachtet Flügge, der sich in diesen Sommerwochen über regen Zulauf im Trompeter freuen kann.

Übrigens: Falls Sie sich fragen, wie das Restaurant Trompeter zu seinem Namen kam - die Benennung geht zurück in die Zeit, in der das geschichtsträchtige Gebäude als Posthaus diente. Der herbeifahrende Postkutscher machte damals mit einem Posthorn auf sich aufmerksam. Das charakteristische Signal wurde bald schon zum Inbegriff für das Gasthaus, das in frühen Jahren vor allem von Geschäftsleuten und andere Reisenden zur Rast und Stärkung genutzt wurde.

 

Bildquelle: Historisches Gasthaus Trompeter, Markenfotografie Jörg Simanowski