30.04.2021

Sächsischer Beitrag zur Pandemiebekämpfung – Textilpionier PHB betreibt Maskenproduktion in der Lausitz

Proaktiv, resilient, agil … In Corona-geprägten Zeiten graben etliche Wirtschaftsexperten ihren Fremdwortschatz aus, um die Widerstands- und Anpassungsleistungen der einheimischen Unternehmen zu beschreiben. Dabei hält die sächsische Mundart einen uralten Begriff bereit, der die genannten Eigenschaften deutlich bodenständiger auf den Punkt bringt: „fischelant“, 2019 zum schönsten sächsischen Wort des Jahres gekürt. Dieses Attribut trifft zweifellos auch auf das Team der PHB Pulsnitzer Hygiene Berufsbekleidung GmbH zu. Die Belegschaft hat sich schon zu Beginn der Pandemie extrem „fischelant“ gezeigt und mit viel Pragmatismus in Windeseile eine eigene Produktionslinie für Schutzmasken installiert und hochgefahren.

Mittlerweile kann man am Firmensitz in der Lausitz pro Woche bis zu einer Million Masken verschiedenster Typen herstellen. Damit sind wir Sachsen bei der Maskenversorgung theoretisch autark und zudem in der Lage, den ökologischen Fußabdruck durch kurze Transportwege zu minimieren. Gleichzeitig produziert die PHB unter dem Markennamen Güldi-Moden medizinische Berufsbekleidung für Krankenhäuser, Praxen und Pflegeeinrichtungen, die in der Corona-Ära gefragter denn je ist. Dass die Güldi-Moden heute überhaupt noch in sächsischer Hand und inhabergeführt ist, darf man auch der PHB zuschreiben: Sie hatte den sächsischen Traditionsbetrieb 2017 mit Hilfe der MBG übernommen und damit die langwierige Suche des Altinhabers nach einem passenden Nachfolger beendet.

An dem erfolgreichen Firmenzusammenschluss war die MBG entscheidend beteiligt – und das ist wortwörtlich zu verstehen: Durch eine stille MBG-Beteiligung konnte die Eigenkapitalquote, die bei der Übernahme sonst gesunken wäre, auf hohem Niveau gehalten und so die Vorrausetzungen für die künftige Kapitalbeschaffung verbessert werden. Was nach einer ökonomisch motivierten Übernahme klingen mag, passte auch fachlich sehr gut zusammen: Die beiden alteingesessenen sächsischen Unternehmen PHB und Güldi-Moden haben ihren gemeinsamen fachlichen Nenner in der Textilverarbeitung, genauer gesagt in der Herstellung von Berufsbekleidung nach gehobenen Hygiene- und Qualitätsstandards. Vor diesem Hintergrund ist die neu angelaufene Maskenproduktion nur eine konsequente Fortführung des originären Kerngeschäfts. Dabei hat sich die in Ohorn ansässige PHB ursprünglich vor allem auf Arbeitskleidung für die Industrie konzentriert, während die Güldi-Moden mit Sitz in Limbach-Oberfrohna schon immer auf den medizinischen Bereich spezialisiert war. Insofern erschloss die PHB mit dem Erwerb der Güldi-Moden einen weiteren Submarkt des textilen Stammgeschäftes und sicherte die Zukunft beider sächsischen Unternehmen.

Mit der Übernahme verhinderte man zugleich, dass die Güldi-Moden an einen rein renditeorientierten Käufer außerhalb Sachsens überging. „Wir bei der PHB sind nicht ausschüttungsorientiert. Bei uns zählt Liquidität vor Rentabilität“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Peter-Alfred Wippermann. Die auf nachhaltiges Wachstum ausgerichtete Unternehmensstrategie spiegelt sich auch in der Maskenproduktion wider. Denn das „Corona-Schutzschild fürs Gesicht“ wird uns noch einige Zeit begleiten, so viel ist mittlerweile klar. Zudem haben die letzten Monate gezeigt, dass der Mund-Nase-Schutz auch über die Pandemie hinaus positive gesundheitliche Effekte, etwa für heuschnupfengeplagte Allergiker, bieten kann. Über eine Million Euro hat die PHB im letzten Jahr investiert, um die industrielle Serienproduktion in einer ehemaligen Schmalweberei in Ohorn aufzubauen. Die Herstellung verschiedener Alltags- und Medizinmasken findet in einem sogenannten Reinraum, einem sterilen Produktionsraum, statt, der in der Einrichtung besonders kostenintensiv war. Die Maschine selbst wurde von einem Sondermaschinenbauer in Franken entwickelt. Auch die Materialien für die Masken stammen ausschließlich von deutschen Zulieferern. Damit ist man komplett unabhängig von internationalen Produktions- und Lieferketten. Nach erfolgreichem Testlauf produziert die PHB seit August 2020 Millionen Masken im Schichtbetrieb und hat eigens dafür bislang vier neue Arbeitsplätze geschaffen.

Zwischenzeitlich wurden die Herstellungskapazitäten mit einer zweiten Maschine noch weiter ausgebaut – auch das eine Investition in die Zukunft, um zu wettbewerbsfähigen Preisen produzieren und langfristig noch größere Stückzahlen, auch an Großkliniken, liefern zu können. Anders als branchenfremde Anbieter, die zuletzt in die Maskenproduktion quereinstiegen, bringt die PHB-Güldi-Mannschaft historisch gewachsene Expertise und Netzwerke in der Bekleidungsindustrie mit. „Wir Wippermänner sind Textiler in vierter Generation und auch einer meiner Söhne sind operativ im Unternehmen tätig“, berichtet der Firmenlenker. In der Vergangenheit habe man sogar schon einmal textile Masken für die Mehrwegnutzung produziert, erinnert sich Peter-Alfred Wippermann. Aus eigenem Nachhaltigkeitsanspruch heraus habe man schon immer darauf geachtet, dass die Medizinprodukte mehrfach verwendbar, wenigstens aber recyclebar sind, und keinen längeren interkontinentalen Lieferweg zum Kunden zurücklegen müssen. Die einst lokal produzierten Stoffmasken wurden mit der gesetzlich verordneten Einmalnutzung medizinischer Produkte jedoch durch günstigere Einwegmasken aus dem asiatischen Ausland verdrängt – und das nicht nur in Sachsen. Mit Pandemieausbruch existierte de facto keine nennenswerte Maskenproduktion mehr in der Bundesrepublik. Umso dankbarer können wir für entschlossen handelnde Unternehmen wie die PHB sein, die die Maskenproduktion nun wieder ins Land geholt hat und unsere Versorgungssicherheit als „Lieferant vor Ort“ ohne unnötig hohen CO2-Ausstoß gewährleistet.

Bildquelle: PHB Pulsnitzer Hygiene Berufsbekleidung GmbH