15.12.2020

Damit der Gesundheit keine Bürokratie im Wege steht – Apotheken und Krankenkassen kommunizieren über scanacs-Software in Echtzeit

Stresstest für das Gesundheitssystem: Das Corona-Virus bringt neben Krankenhäusern und Gesundheitsämtern vor allem auch Apotheken und Krankenkassen zunehmend an ihre Belastungsgrenzen. Zusätzlich zu den regulären Krankheitsfällen gilt es eine regelrechte Flut von COVID-19-Infektionen zu bewältigen – und das während viele Angestellte im Home Office arbeiten. In diesen herausfordernden Wochen entpuppt sich der hohe bürokratische Aufwand im Gesundheitswesen immer mehr als Hemmfaktor. Wer seine Verwaltungsprozesse nicht zeitsparend und ortsunabhängig gestaltet, hat spätestens jetzt verloren. Gewinnen können hingegen diejenigen Akteure, die ihre Effizienz mit digitalen Tools steigern. Als Gewinner vermag daher auch die 2016 gegründete scanacs GmbH aus der Krise hervorgehen. Das Start-up aus Dresden ermöglicht mit seiner innovativen Software-Plattform eine datenbasierte Live-Kommunikation zwischen Apotheken und Krankenkassen.

Mit der scanacs-Software können entscheidungsrelevante Informationen zur Erstattungsfähigkeit eines Medikaments und Korrektheit einer ärztlichen Verordnung in Sekundenschnelle ausgetauscht werden. Zunächst bedeutete die Corona-Pandemie für scanacs jedoch mehr Fluch als Segen, denn sie verzögerte die Markteinführung. Erste Hilfe leistete die MBG, die über den Corona-Start-up-Hilfsfonds im Eiltempo Überbrückungskapital bereitstellte und das junge HealthTech-Unternehmen so vor finanziellen Blessuren schützte.

Für viele Apotheken gestaltet sich die Liquiditätssicherung hingegen als langwieriges Unterfangen. Die gesetzlichen Krankenkassen haben das Recht, die Erstattung von Medikamentenkosten umfassend zu prüfen und Abrechnungen der Apotheken ggf. nachträglich zu beanstanden. So weiß scanacs Gründer und Geschäftsführer Frank Böhme, selbst 25 Jahre im Gesundheitswesen tätig, zu berichten: „In der Regel dauert es bis zu einem Jahr, bis Apotheken die Ausgaben für ein bereits an den Patienten ausgehändigtes Medikament endgültig wieder als Einnahme verbuchen können.“ Dank der scanacs-Software, die mit allen gängigen Apothekenprogrammen kompatibel ist, kann das Fachpersonal nun direkt vor Ort eine Anfrage an die zuständige Krankenkasse schicken und den finanziellen, juristischen und pharmazeutischen Status einer Arzneimittelverordnung unverzüglich abklären. Das spart beiden Seiten sowohl Zeit als auch Geld. Dabei sieht das Erlösmodell von scanacs vor, dass die Nutzer pro Transaktion eine fixe Gebühr zahlen. Die erste Corona-Welle jedoch traf das Start-up in der vulnerablen Phase der Markterschließung, in der weitere Krankenkassen als Partner gewonnen werden sollten. Weil die Krise alle Kapazitäten des Gesundheitssystems band, konnten kaum Vertriebstermine durchgeführt und neue Kunden akquiriert werden. Um die Liquidität von scanacs zu wahren, holte sich Frank Böhme Beistand aus der Heimat: „Den Kontakt zur MBG haben wir auf Empfehlung unserer Gesellschafter hin aufgenommen. Als in Dresden verwurzeltes Unternehmen haben wir von Anfang an bevorzugt auf regionale Kapitalgeber gesetzt. Die MBG fügt sich damit nahtlos in die Reihe unserer Bestandseigentümer ein.“

Damit war Sachsen eines der ersten Bundesländer, das die zugesagten Fördermittel verfügbar machte und an Start-ups auszahlte (das Magazin Gründerszene berichtet hier). Wie genau sich scanacs für den CSH qualifizierte, erklärt MBG-Beteiligungsmanager Christian John: „Das Team um scanacs digitalisiert mit seiner cloudbasierten Software-Lösung einen Teilbereich der Gesundheitsbranche, von dem das gesamte System und wirklich jeder Bürger beim Besuch der Apotheke profitieren kann. Die reichliche Erfahrung der Gründer und die in den vergangenen Jahren bereits erzielten Erfolge haben uns überzeugt, das Unternehmen finanziell zu begleiten und den für 2020 geplanten, aber Corona-bedingt verzögerten Marktstart zum Erfolg zu führen.“

Die Fördergelder aus dem CSH erlaubten dem Start-up, in Humankapital für die geplante Markterschließung zu investieren. Zwei Vertriebsmanager wurden bereits eingestellt. Bald werden noch ein Marketing-Spezialist und eine PR-Fachfrau das scanacs-Team verstärken, zu dem die MBG ein partnerschaftliches Verhältnis pflegt. „Die Zusammenarbeit war vom ersten Meeting an extrem professionell, zielstrebig und vertrauensvoll,“ berichtet Christian John.

Die wirtschaftlichen Sorgen, die dagegen die Apotheken beschäftigen, kennt Frank Böhme durch seinen Branchenhintergrund aus erster Hand: „Vor allem die Retaxationen – also die Verweigerung der Erstattung eines bereits ausgegeben Medikaments durch die Krankenkasse – strapazieren den Finanzhaushalt der Apotheken. Sämtliche Arzneimittel müssen vorfinanziert werden, was bei Spezialmedikamenten sehr kostspielig sein kann. Mit scanacs erhalten Apotheken nun Erstattungssicherheit in Echtzeit und minimieren so ihr Risiko, dass sie die Kosten für das Arzneimittel sowie die Beratung der Patienten selbst tragen müssen." Für Kunden hat der schnelle Prüfvorgang den Vorteil, dass die Aufenthaltsdauer in Apotheken reduziert wird. Bei genehmigungspflichtigen Medikamenten können sich Patienten außerdem den Gang zur Krankenkasse sparen und die Freigabe gleich von der Apotheke per scanacs einholen lassen. Wenn das Papierrezept zum Jahresbeginn 2022 wie gesetzlich verordnet vom E-Rezept abgelöst wird, entfällt weiterhin das bislang erforderliche Einscannen der Rezepte in der Apotheke. Über Krankenkassen wie die AOK Plus, die Barmer oder die Techniker Krankenkasse, die bereits mit scanacs arbeiten, werden schon heute insgesamt 27 Millionen Versicherte abgedeckt. Mit der verstärkten Vertriebspower, die das MBG-Investment zulässt, kann der Anwenderkreis nun weiter vergrößert werden. Zugleich dürfte die jüngste Corona-Welle die Digitalisierung des Gesundheitssystems zusätzlich beschleunigen.

Übrigens: Mit seinem Geschäftsmodell konnte scanacs nicht nur die MBG überzeugen. Die Fachjury des Wettbewerbs „Sachsens Unternehmer des Jahres“ zeichnete das Unternehmen mit dem Sonderpreis „Sachsen gründet – Start-up 2020“ aus.

 

Über den Corona-Start-up-Hilfsfonds

Der Corona-Start-up-Hilfsfonds (CSH) richtet sich an wissensbasierte, technologieorientierte Start-ups in Sachsen, die durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie in Liquiditätsschwierigkeiten geraten sind. Über den CSH werden Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Mittel in Form von stillen Beteiligungen mit einem Gesamtvolumen von 30 Millionen Euro in sächsische Start-ups investiert.

Der CSH steht branchenübergreifend allen jungen Unternehmen mit innovativen und zukunftsträchtigen Produkten, Dienstleistungen oder Verfahren offen, die einen sozialen und/oder ökologischen Nachhaltigkeitsansatz verfolgen und ihren Sitz oder Geschäftsschwerpunkt in Sachsen haben.

 

Bildquelle: scanacs GmbH