15.12.2020

Corona als Digitalisierungstreiber – Görlitzer Gründerin bringt per App mehr Bewegung ins Kinderzimmer

Der Business Plan stand, alle Turngeräte waren fertig aufgebaut und die ersten Eltern hatten sich mit ihren Jüngsten zur Eröffnungsfeier angekündigt – als Tina Grüner Anfang Januar dieses Jahres die Tür zu ihrem Kinderturnstudio Theo turnt am Demianiplatz in Görlitz aufschloss, war sie voller Zuversicht. Doch dann kam Corona. Der Lockdown im Frühjahr schob den Eltern-Kind-Turnkursen bald schon einen Riegel vor, auch die Krabbelgruppen und Vorlese-Stunden musste die Gründerin absagen. Dabei war ihr Business doch so vielversprechend angelaufen und alle Kurse ausgebucht. Aber zu jammern oder gar in Schockstarre zu verfallen, kam für die Oberlausitzerin nie in Frage. Stattdessen konzentrierten sie und Geschäftspartner Jens Heider fortan all ihre Energie auf die Entwicklung einer App für Theo turnt. Dass dem jungen Unternehmen dabei trotz angespannter Wirtschaftslage nicht die finanzielle Puste ausgeht, stellt die MBG über den Corona-Start-up-Hilfsfonds (CSH) sicher. In ihrer Rolle als Fondsmanager investierte sie in die Theo turnt GmbH und verbesserte damit die angeschlagene Kapitalbasis.

Seit wenigen Tagen steht die App der Firma nun in allen gängigen Portalen zum Download bereit. Über die mobile Anwendung, die genauso liebevoll wie das Görlitzer Turnstudio gestaltet ist, erhalten Eltern und andere Betreuungspersonen kreative Bewegungs- und Spielideen für Kinder von ein bis sechs Jahren. Dabei zeichnen sich alle Übungen durch eine hohe Alltagstauglichkeit aus: Anstelle von Turngeräten kommen ganz gewöhnliche Gegenstände aus dem Haushalt oder der Natur zum Einsatz.

Schon vor der Gründung von Theo turnt im letzten Jahr hatte Tina Grüner die Vision von einer App, mit der Kinder zu mehr Bewegung animiert und ihre feinmotorischen Fähigkeiten spielerisch trainiert werden. Die Einnahmen aus ihrem Turnstudio flossen daher auch schon immer in die App-Entwicklung. Doch durch die Corona-Krise kam der Cashflow bald ins Stocken und auch das angesparte Eigenkapital ging besorgniserregend schnell zur Neige. Schließlich ist es alles andere als ein finanzieller Pappenstiel, eine App mit interaktiven Features zu programmieren, mit pädagogisch wertvollen Inhalten zu befüllen und online über verschiedene Kanäle zu vermarkten. Doch ihr Durchhaltevermögen zahlte sich aus, wie Tina Grüner festhält: „Mit dem Launch der Theo-turnt-App haben wir einen großen Meilenstein auf dem Weg in Richtung Digitales Business erreicht. Die Finanzmittel aus dem sächsischen Corona-Hilfsfonds erlauben uns, die App nun qualitativ weiter auszubauen sowie die Monetarisierung über eine zahlpflichtige Premium-Funktion und Werbemöglichkeiten voranzutreiben. Dafür investieren wir insbesondere in den Personalaufbau.“ Der Hilfsfonds gründet sich auf die sogenannte Säule II des von der Bundesregierung beschlossenen Start-up-Schutzschildes. Er wird durch den Bund und den Freistaat Sachsen über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bzw. die Sächsische Aufbaubank – Förderbank (SAB) bereitgestellt. Die MBG, die ebenfalls Kapital einbrachte, sorgt als Intermediär dafür, dass das Geld schnellstmöglich bei den Start-ups im Freistaat Sachsen ankommt.

Als Theo turnt die Zusage für die CSH-Förderung erhielt, lagen stressige Wochen hinter Tina Grüner und ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern. Nach intensiver Entwicklungsarbeit und erfolgreicher Beta-Testphase ging die App schließlich Ende November live. Der Launch-Termin erwies sich, wenn auch aus wenig erfreulichen Gründen, als gutes Timing. Die zuständige MBG-Beteiligungsmanagerin Katharina Gomes erklärt, weshalb die Applikation den Nerv der Zeit trifft: „Besonders in Zeiten der Corona-Pandemie mit fehlenden Freizeitangeboten sind kreative digitale Lösungen wie die Theo-turnt-App immer wichtiger. Gleichzeitig glauben wir von der MBG daran, dass die App über die Krise hinaus im privaten Kontext sowie auch in Kinderbetreuungseinrichtungen zum inspirierenden Alltagsbegleiter der Kategorie ‚New Normal‘ wird. Wir freuen uns deshalb, das Team von Theo turnt mit unserem Corona-Start-up-Hilfsfonds finanziell unterstützen zu können.“  Dieses Team zählt mittlerweile acht Personen. Ideengeberin Tina Grüner bildet zusammen mit Jens Heider, der für die Software-Architektur verantwortlich ist, die Geschäftsführung. Zur Mannschaft gehören weiterhin u.a. auch ein App-Entwickler, eine Sport-Wissenschaftlerin, eine Kinderpädagogin und eine Illustratorin. Bislang arbeiten sie alle nur in Teilzeit an Theo turnt, so auch Tina Grüner selbst. Doch dank des CSH-Investments kann sich die Gründerin bald in Vollzeit um ihr ‚Baby‘ kümmern und weitere Stellen schaffen. Sie wünscht sich z. B. noch eine Fachkraft aus der Medizin im Team, um die Übungsanleitungen in der App noch stärker fachlich fundieren zu können.

Die Idee zu Theo turnt war Tina Grüner vor zwei Jahren auf Weltreise gekommen. Überall auf dem Globus hatte sie Kinder beobachtet, die schon im jüngsten Alter viel Zeit vor dem TV, am Tablet oder Smartphone verbringen. Daran wollte die gelernte Polizistin, die sich zudem zur Fitnesstrainerin hatte weiterbilden lassen, etwas ändern. Sie beschloss, ihre Leidenschaft für Sport und Kinder sinnstiftend miteinander zu kombinieren und daraus ihr eigenes Business zu bauen. Noch vor der Rückkehr nach Deutschland bewarb sie sich erfolgreich für den InnoStartBonus von futureSAX. Und so kam es auch, dass der Firmenname ‚Theo turnt‘ am Tag des Bewerbungsschlusses in einem Hostel in Japan enstand. Seither sind gerade einmal anderthalb Jahre vergangen und nicht nur für Tina Grüner hat sich die Welt zwischenzeitlich komplett gedreht. Ihren Fokus hat sie dabei nie aus den Augen verloren: Sie möchte Kinder bewusst vom Bildschirm lösen und mehr Bewegung in ihren Alltag integrieren. Dass sie dafür auf eine technikbasierte Anwendung setzt, ist für sie kein Widerspruch: „Kinder sind heutzutage in den digitalen Medien zu Hause – daher sollte man diese auch nutzen, um sie für analoge Angebote zu begeistern.“ Und wenn es schon um das Auflösen von vermeintlichen Gegensätzen geht: Sofakissen müssen Kids nicht nur zum faulen Herumlümmeln dienen während sie eine Zeichentrickserie schauen. Vielmehr erfahren Eltern in der Theo-turnt-App, wie Kinder beim Kissentanz und anderen kurzweiligen Übungen mit Kissen ihre Bewegungsabläufe schärfen.

 

Über den Corona-Start-up-Hilfsfonds

Der Corona-Start-up-Hilfsfonds (CSH) richtet sich an wissensbasierte, technologieorientierte Start-ups in Sachsen, die durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie in Liquiditätsschwierigkeiten geraten sind. Über den CSH werden Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Mittel in Form von stillen Beteiligungen mit einem Gesamtvolumen von 30 Millionen Euro in sächsische Start-ups investiert.

Der CSH steht branchenübergreifend allen jungen Unternehmen mit innovativen und zukunftsträchtigen Produkten, Dienstleistungen oder Verfahren offen, die einen sozialen und/oder ökologischen Nachhaltigkeitsansatz verfolgen und ihren Sitz oder Geschäftsschwerpunkt in Sachsen haben.

 

Bildquellen:

1 – Eröffnung des Theo-turn-Studios im Januar 2020: Alexander Hamann

2 – Kinderturnstudio: Paul Glaser

3 – App-Übersicht: Theo turnt GmbH

4 – Team: Paul Glaser