11.11.2020

Wenn jeder Cent und jedes Gramm zählt – herone ermöglicht kosteneffiziente Serienproduktion von nachhaltigen Leichtbauteilen

Die sächsische HighTech-Industrie erhält einen weiteren Vorzeige-Standort mit Potenzial zum Game Changer: In der Landeshauptstadt baut die herone GmbH die erste vollvernetzte Produktionsanlage ihrer Art für nachhaltige Leichtbauteile. Am Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) der Technischen Universität Dresden hat das Start-up eine innovative Verfahrensweise entwickelt und erprobt, mit der sich Werkstücke aus Faserverbundkunststoffen effizienter und ressourcenschonender denn je herstellen lassen.

Insbesondere in der Luft- und Raumfahrt sind Komponenten aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, besser bekannt als Carbon, schon heute Standard. Ihre Fertigung war bislang jedoch sehr handarbeitsintensiv und daher relativ kostspielig. Mit der herone-Technologie lassen sich Leichtbauprofil-Elemente wie Rohrleitungen, Wasserstoffspeicher und Antriebswellen nun vollautomatisiert herstellen. Die integrale Bauweise, bei der die Bauteile gleichzeitig in Form gepresst und funktionalisiert werden, reduziert Fertigungskosten und -zeiten um ein Vielfaches; ein recyclebarer Materialmix sorgt für besondere Robustheit und Nachhaltigkeit. Während sich die fertigen Produkte durch ein minimales Gewicht auszeichnen, konnte die herone GmbH mit Hilfe der MBG nun ein schwergewichtiges Finanzierungspaket für die erste Serienproduktionsstätte einwerben: Durch eine Eigenkapitalaufstockung ebnete die MBG den Weg zu Fördermitteln der SAB. Zudem steuerte die Ostsächsische Sparkasse Dresden als Konsortialführer zusammen mit der Sparkasse Nürnberg erfolgskritisches Fremdkapital zu dem Pionierprojekt bei.

Was genau das Investitionsvorhaben ausmacht, erläutert MBG-Beteiligungsmanager Martin Liebsch: „Die herone GmbH hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, ab 2022 auf einer eigens entwickelten Pilotanlage Faserverbundprofilbauteile zunächst für die Zielgruppe der Luftfahrtindustrie herzustellen. Die Herstellung von wirtschaftlich optimierten und auch physikalisch/chemisch funktionaleren Bauteilen besitzt Leuchtturmcharakter für zukunftsweisende Leichtbaustrukturprojekte in Sachsen.“ Als die herone GmbH im Mai 2018 von Dr. Christian Garthaus, Daniel Barfuß und Alexander Rohkamm gegründet wurde, lagen bereits 10 Jahre Forschungs- und Entwicklungsarbeit am ILK der TU Dresden hinter ihnen. In Kooperation mit Industriepartnern wie Boeing wurde die neuartige Fertigungstechnologie ständig perfektioniert. Unter Verwendung eines ebenso neuen, recyclebaren Kunststoffs, der eine vereinfachte Wiederverwertung des kostenintensiven Grundwerkstoffs erlaubt, entstanden bereits erste Prototypen. Nun steht der Schritt in die Serienproduktion an, den die MBG nicht ohne Grund als aussichtsreich bewertet: „Das kompetente und unternehmerisch bereits mit ersten Erfahrungen ausgestattete Gründerteam, die strategischen Kooperationen mit Boeing und der bereits erbrachte Proof of Concept haben uns zu einem positiven Urteil kommen lassen, was die Erfolgsaussichten der prozessoptimierten Pilotanlage und ihre wirtschaftliche Verwertung anbelangt,“ erklärt Martin Liebsch. Er rechnet dem Start-up gerade auch in Corona-Zeiten gute Wachstumschancen aus: Der erhöhte Druck zur Kostenoptimierung und die erforderliche Reduktion von Treibhausgasen in der Luftfahrtbranche werde die Nachfrage nach erschwinglichen Fertigungsverfahren von Leichtbauteilen weiter wachsen lassen.

Das 12-köpfige herone-Team konnte neben der MBG auch die Sächsische Aufbaubank (SAB) von der Zukunftsträchtigkeit ihres Vorhabens überzeugen. Über ein spezielles Förderprogramm für Pilotlinien im Bereich der Schlüsseltechnologien stellt die SAB umfangreiche Finanzmittel bereit, um die Forschungsergebnisse in die industrielle Fertigung zu überführen und somit auch kommerziell nutzbar machen zu können. Der MBG kam dabei die Rolle des Wegbereiters zu: Sie schaffte die Zugangsvoraussetzungen zu der SAB-Förderung, indem sie über eine Beteiligung zusätzliches Eigenkapital in herone einbrachte. Co-Gründer und -Geschäftsführer Daniel Barfuß schätzt die MBG dabei als fairen Gesellschafter: „Wir erleben die Zusammenarbeit mit der MBG als sehr zielorientiert und gründerfreundlich, weil wir als Gründer dabei unterstützt werden weiterhin eigenständig Entscheidungen in unserer Firma zu treffen. Gemeinsam verfolgen wir das Ziel, die herone GmbH als solides mittelständisches Unternehmen zu etablieren.“ Daniel Barfuß ist in dem jungen Unternehmen für die Geschäftsfeldentwicklung verantwortlich und sich daher eines besonderen Mehrwerts bewusst: „Die MBG unterstützt uns beim Aufbau unserer Produktion am Standort Dresden nicht nur finanziell, sondern auch mit ihren Kontakten rund um das Ökosystem ‚Gründen‘ und ermöglicht uns so schneller ans Ziel zu kommen.“

Der Kreis der Geldgeber rund um herone wird vervollständigt durch die Ostsächsische Sparkasse Dresden (OSD) und die Sparkasse Nürnberg. OSD-Firmenkundenberater Stefan Methner berichtet stellvertretend: „Die herone GmbH ist ein herausragendes Beispiel für regionale Unternehmen aus dem HighTech-Sektor, die wir dabei begleiten, das Marktpotenzial von erfolgsversprechenden Geschäftsideen zu heben. Das Start-up hat vor allem mit dem hohen Innovations- und Reifegrad seiner Technologie sowie den namhaften Pilotkunden aus der Luftfahrt bei uns gepunktet.“ Die neue Produktionsstätte für Leichtbauteile wird von den Sparkassen über ein Darlehen mitfinanziert. Damit unterstützen sie die ostsächsische Wirtschaft gleich mehrfach, denn herone hat die Maschinen allesamt mit Anlagenbauern aus der Region entwickelt. Großes Augenmerk lag dabei auf der digitalen Prozesssteuerung und dem Qualitätsmanagement. Der Start der industriellen Fertigung eröffnet laut OSD-Vertreter Stefan Methner ganz neue Geschäftsdimensionen: „Mit der Serienproduktion wird der ökonomische Nutzen der herone-Technologie nun skalierbar und für noch mehr Kundensegmente wie die Automobil- oder Medizinindustrie zugänglich gemacht.“ Demnach ist die Vision der drei herone-Gründer, ein langfristig profitables Unternehmen des Mittelstandes aufzubauen, keinesfalls unrealistische Utopie. Vielmehr rückt sie durch das finanzielle Engagement aller Kapitalgeber in greifbare Nähe.

 

Bildquelle: herone GmbH

1) Flechtmaschine (Braider) von herone zur Herstellung von kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff

2) exemplarisches Leichtbauteil von herone: Carbon-Profil mit integrierten Funktionen wie z.B. in Form eines Zahnrads