26.05.2020

Lehrkräfte auf Abruf – Online-Tool von gokiwies stillt Personalbedarf in der Bildung mit einem Klick

Kinderzimmer statt Pausenhof: Die bundesweiten Schulschließungen während der Corona-Pandemie stellten den Alltag von Schülern und deren Eltern komplett auf den Kopf. Die anfängliche Euphorie der Kinder wich schnell der Langweile, ja gar der Wunsch bald zur Schule zurückzukehren wurde laut – und resonierte vermutlich mit den unausgesprochenen Gedanken vieler Väter und Mütter, spätestens als sie sich das erste Mal im Home Schooling versuchten. Die Wertschätzung der Institution Schule und des Lehrerjobs dürfte durch die Krise jedenfalls einen gehörigen Auftrieb erhalten haben. Gleichzeitig gewinnt der Mangel an qualifizierten Lehrkräften, wie er schon in Prä-Corona-Zeiten herrschte, immer mehr Brisanz. Dem Personalproblem im Schulwesen begegnet das Startup gokiwies aus Chemnitz.

Das 2017 gegründete Unternehmen vermittelt Kursleiter an Bildungseinrichtungen aller Art. Mit seinem Recruiting-Portal www.kiwies.com hilft es insbesondere den Ganztagesschulen – einem hierzulande immer populäreren Schultyp – die unterrichtsfreie Zeit am Nachmittag mit sinnvollen Kursangeboten zu füllen. Einen Intensivkurs Startup-Finanzierung mit erfolgreich absolviertem Praxis-Test belegte jetzt das gokiwies Team selbst. Es erhielt frisches Eigenkapital vom Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS), der zusammen mit der SC-Kapitalbeteiligungsgesellschaft mbH in das junge Unternehmen investierte.

Ganz nah dran am Gründerteam war Beteiligungsmanager Martin Liebsch, der das Investment von Seiten des TGFS begleitete: „Die Gründer Jan Frömberg und Felix Hänchen haben wir als kompetent, fachlich versiert und zielstrebig wahrgenommen. In den knapp zweieinhalb Jahren seit Aufnahme der Geschäftstätigkeit konnte sich die gokiwies GmbH eine stabile Marktposition erarbeiten, die Anzahl der registrierten User und Schulen wächst aktuell weiter erheblich. Besonders freuen wir uns über die schnelle, partnerschaftliche und gemeinsame Umsetzung der Finanzierungsrunde mit der SC-Kapitalbeteiligungsgesellschaft mbH aus Chemnitz und der Sparkasse Chemnitz als lokale Partner.“ In der Rolle als Co-Investor engagierte sich die SC-Kapitalbeteiligungsgesellschaft. Sie sah sich angesichts der positiven Entwicklung seit der Gründung ebenfalls in ihrem Investment in gokiwies bestärkt, wie Beteiligungsmanager Thomas Dörffel erklärt: „Zunächst mit 5 Kursleitern und einer analogen Vermittlung von Bildungsangeboten gestartet, stieg die Nachfrage rasant an. Bundesweit stehen gokiwies aktuell mehr als 800 Kursleiter mit einem breit gefächerten Angebot zur Verfügung. Stark gestiegene Nutzerzahlen erforderten eine Digitalisierung des Vermittlungsprozesses. Auf der Online-Plattform können Kursleiter nunmehr Bildungsangebote, Lehrmaterialien und Verfügbarkeiten einstellen und Kunden bequem gewünschte Kurse daraus auswählen."  

Laut Prognosen soll bis 2030 jede Schule zur Ganztagsschule in Deutschland ausgebaut werden, was gokiwies mit seiner Ausrichtung auf die sogenannte „außerlehrplanmäßige Beschäftigung“ in die Karten spielt. Diese Art der Beschäftigung wird an den Schulen von speziellen Bildungskoordinatoren organisiert, die für die Personal- und Budgetplanung zuständig sind – parallel zu ihrem regulären Lehrerjob. gokiwies Gründer und Geschäftsführer Jan Frömberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, „das zeitaufwändige Personalmanagement im Bildungsbetrieb deutlich effizienter zu gestalten. Die Verantwortlichen erhalten online Zugriff auf einen Pool von verifizierten Kursleitern, den sie binnen Sekunden nach den Kriterien Umkreis, Budget, Klassenstufe und Fachbereich filtern können. Von der Buchung über die Vertragserstellung bis hin zur Bezahlung können alle administrativen Schritte zentral über die Plattform abgewickelt werden.“ Der Nachwuchsunternehmer gab als Student selbst Nachhilfe und entwickelte mit der ständig wachsenden Nachfrage schnell ein eigenes Business daraus. Das Kursangebot von gokiwies geht heute weit über die klassische Hausaufgabenhilfe und Prüfungsvorbereitung hinaus. Es umfasst beispielsweise auch IT-, Musik- oder Sportkurse, wie sie (noch) nicht im normalen Lehrplan vorkommen. Bei Kursen wie Programmieren oder Breakdance können sich Kinder ausprobieren und ihren individuellen Talenten nachgehen. Bald schon sollen sie in einer App selbst über die Kurse abstimmen können, die an ihrer Schule angeboten werden.

So facettenreich wie die Kursangebote sind die fachlichen Hintergründe der Kursleiter, die sich als „Kiwies“ registrieren. Sobald man den Auswahlprozess erfolgreich durchlaufen hat, kann man sich über die Plattform einer großen Zahl potentieller Auftraggeber präsentieren. In der Preisgestaltung sind die Kursleiter komplett frei. gokiwies selbst generiert Einnahmen durch Vermittlungsprovisionen. Zudem bietet das Startup eine zahlpflichtige Premium-Variante, die Kursleitern eine monatliche Mindestzahl vermittelter Kurseinheiten garantiert. Um Erlösquellen an noch mehr Orten zu erschließen, steht die geographische Expansion weit oben auf der To-Do-Liste. In zwei Jahren will gokiwies bundesweit an allen Schulen präsent sein. Ganz im Sinne des Konzepts vom lebenslangen Lernen, das Jan Frömberg propagiert, möchte man in Zukunft verstärkt auch Kursleiter an Volkshochschulen oder für betriebliche Weiterbildungsangebote vermitteln. Eine Erweiterung um eLearning-Angebote, wie man sie zur Corona-Krise kurzfristig in Form von Livestreams aufsetzte, kommt für den Gründer hingegen nicht dauerhaft in Frage. Wie der gokiwies-Slogan „Echte Menschen. Echtes Wissen.“ unterstreicht, steht der reale Austausch im Vordergrund. Die Schüler, die sich während des Lockdowns zurück in die Schulen und die Gegenwart ihrer Klassenkameraden sehnten, geben seinem Ansatz recht.

 

Über den Technologiegründerfonds Sachsen

Der TGFS ist ein Risikokapitalfonds, der durch Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert ist. Er beteiligt sich durch die Investition von Eigenkapital und/oder eigenkapitalähnlichen Mitteln an jungen, technologieorientierten Unternehmen, die die Kriterien der EU-Kommission für kleine und mittlere Unternehmen erfüllen und ihren Sitz in Sachsen haben.

 

Bildquelle: gokiwies GmbH