21.02.2020

Für mehr ‚Ommm‘ und weniger ‚Oh weh‘ im Arbeitsalltag – Startup Mindance bringt Mitarbeitern Entspannung per App

Gerade noch schnell einen Kunden zurückgerufen bevor man eine dringende Mail an den Geschäftspartner rausschickt und dann weiter zum Team-Meeting hetzt. Mit viel Glück bleibt auf dem Weg zum Termin noch Zeit für einen Zwischenstopp am Kaffeeautomaten – eine extra Dosis Koffein ist bitter nötig, nachdem man die letzte Nacht wieder viel zu wenig Schlaf gefunden hat. Das permanent hohe Stresslevel, dem viele Berufstätige heute ausgesetzt sind, bleibt nicht ohne Folgen: Seelische Leiden wie Depressionen oder Burnout, letztes Jahr offiziell von der WHO als Krankheit anerkannt, haben Hochkonjunktur und setzten Mitarbeiter immer öfter auch körperlich außer Gefecht. Die Auswirkungen bekommen neben den Krankenkassen, deren Therapiekosten stetig ansteigen, insbesondere die Arbeitgeber zu spüren.

Dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales zufolge führten psychische Erkrankungen allein 2017 zu 107 Millionen Krankheitstagen und kosteten die deutsche Wirtschaft über 33 Milliarden Euro. Im selben Jahr trat das Leipziger Startup Mindance an, Präventionsarbeit zu leisten: Die gleichnamige App hilft Arbeitnehmern mit wissenschaftlich fundierten Entspannungsübungen, ihre innere Balance und Konzentrationsfähigkeit zu wahren. Ergänzend bietet Mindance auch Workshops vor Ort bei Kunden. Entspannung dürfte sich zuletzt auch bei den Gründern eingestellt haben, zumindest beim Blick auf das Firmenkonto: Bei der jüngsten Finanzierungsrunde brachte u.a. der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) frisches Kapital ein.

Das Investment in siebenstelliger Höhe ging der TGFS zusammen mit dem High-Tech Gründerfonds sowie Elevation Investments und einem privaten, branchenvertrauten Business Angel ein. Vom TGFS gab es bereits 2018 die erste finanzielle Anschubhilfe. Angesichts der positiven Entwicklung wurde das Engagement im Januar 2020 ausgedehnt und über den TGFS Basic, den die MBG verwaltet, eine höhere Summe bereitgestellt. Der Austausch mit den Kapitalgebern war laut Robin Maier, Gründer und CEO von Mindance, immer von gegenseitigem Respekt geprägt: "Ich habe die Zusammenarbeit mit dem TGFS als sehr gründerfreundlich und auf Augenhöhe erlebt.“ Er erklärt weiterhin, wofür die neuen Finanzmittel Einsatz finden sollen: „Mit dem Investment werden wir unser Team in Leipzig vergrößern, unsere Plattform weiterentwickeln und der psychischen Gesundheitsförderung einen neuen Anstrich verpassen." Mindance verfolgt die Mission, das Risiko für psychische Erkrankungen zu reduzieren und die mentale Fitness in Unternehmen zu verbessern. Durch die App ist das Gesundheitstraining überall und jederzeit auf dem Smartphone griffbereit. Zusätzlichen Auftrieb erhält Mindance durch das im November 2019 verabschiedete Digitale Versorgungsgesetz, das die Nutzung von Apps im Gesundheitswesen befördert.

Mit seinem psychologischen Ansatz trifft Mindance den Nerv der Zeit, wie TGFS-Investmentmanager Christian John festhält: „Gestiegene Arbeitsbelastungen gepaart mit zunehmendem Zeitdruck haben die Themen Burnout als Volkskrankheit sowie Achtsamkeit als Gegenpart dazu mehr in den Fokus unserer Gesellschaft gerückt.“ An einen Return on Investment glaubt er auch mit Blick auf die investierte Zeit der App-User: „Das Team von Mindance bietet Unternehmen und ihren Mitarbeitern mit seiner digitalen Lösung ein tolles Werkzeug, um durch kleine Übungen für Zwischendurch den täglichen Arbeitsstress zu reduzieren und das Wohlbefinden sowie die Produktivität als Mitarbeiter aufrecht zu erhalten und trotzdem entspannt zu bleiben. Wir freuen uns nun, die Reise mit zu begleiten.“ Die Zeichen stehen gut: In Zeiten des Fachkräftemangels müssen Unternehmen neue Anreize schaffen, um fähige Mitarbeiter zu finden und zu binden. Mit Mindance erhalten sie nun ein Tool, um sich als fortschrittliche Arbeitgeber zu positionieren. Über einen separaten Zugang lassen sich einzelne Mitarbeiter oder ganze Teams einladen; ein Dashboard für Personaler gibt Aufschluss über die App-Nutzung und den Gesundheitszustand der Belegschaft als Ganzes. Im Einklang mit der DSGVO werden alle Daten anonym erhoben und aggregiert ausgewertet. Die interne Implementierung unterstützt Mindance mit begleitenden Workshops in den Unternehmen und maßgeschneiderten Kommunikationskonzepten.

Dashboard-Ansicht für Personaler


Dass man stets offen für Neues sein sollte, um persönliche Erfüllung zu finden, weiß Robin Maier aus eigener Erfahrung. Für das Projekt Startup hatte der studierte Maschinenbauer seinen sicheren Job beim Autokonzern Daimler aufgegeben. Schon seit dem 17. Lebensjahr gehört die Meditationspraxis fest zum Alltag des gebürtigen Schwaben. So war die Geschäftsidee von einer App zum Entspannen irgendwann nur einen tiefen Atemzug entfernt. Als Co-Gründer stieß sein Schulfreund Lukas Stenzel dazu, der damals ein Traineeprogramm im Personalmanagement absolvierte. Mit einem Master der Psychologie in der Tasche brachte er einschlägiges Fachwissen mit, um die Trainingsinhalte für Mindance zu erarbeiten wie etwa Meditationssequenzen oder Übungen zur Stressbewältigung. IT-Expertise holten sie sich schließlich mit David Schumann ins Team, der für die technische Weiterentwicklung zuständig ist. Mittlerweile zählt das Mindance-Team sechs Vollzeit-Mitarbeiter und sechs Mitarbeiter in Teilzeit. Als Kunden konnten schon die AOK Plus, Bosch und die Leipziger Verkehrsbetriebe gewonnen werden. Die Abo-Gebühren für die App zahlt meist das Unternehmen, die Krankenkasse oder aber beide gemeinsam als Teil der Vorsorgeleistungen. Künftig will man vor allem die Kooperationen mit Krankenkassen ausbauen, die die Verbreitung von Mindance über ihre Erstattungspolitik entscheidend vorantreiben können. Dazu soll bald schon ein Head of Sales das Team verstärken, das sich – App sei Dank – auch im mitunter hektischen Startup-Alltag bestimmt nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt.

 

Über den Technologiegründerfonds Sachsen

Der TGFS ist ein Risikokapitalfonds, der durch Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert ist. Er beteiligt sich durch die Investition von Eigenkapital und/oder eigenkapitalähnlichen Mitteln an jungen, technologieorientierten Unternehmen, die die Kriterien der EU-Kommission für kleine und mittlere Unternehmen erfüllen und ihren Sitz in Sachsen haben.

 

Bildquelle: Mindance GmbH