21.10.2019

Das wahre Leben vor der Linse – Filmproduktion aus Leipzig dokumentiert die Welt in bewegten und bewegenden Bildern

Dieser Job ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven: Als Filmproduzent balanciert Jürgen Kleinig unweigerlich auf einem finanziellen Drahtseil. Schließlich muss der Inhaber der Leipziger Produktionsfirma Neue Celluloid Fabrik für die Realisierung seiner Dokumentarfilme erst einmal tief in die Tasche greifen bevor sie auch nur einen Cent einspielen. Allein für die Projektentwicklung fällt ein bis zu fünfstelliger Betrag an – und in dieser Phase steht noch nicht einmal fest, ob der Film überhaupt genügend Finanzierungspartner findet und produziert werden kann. Eine große Portion Optimismus ist daher Grundvoraussetzung für den Beruf des Produzenten, der alle inhaltlichen und wirtschaftlichen Aspekte von der ersten Idee über den Dreh und die Postproduktion bis zur Ausstrahlung des Films verantwortet.

So ließ sich auch Jürgen Kleinig nicht entmutigen, als er sich in diesem Jahr vergeblich um einen Bankenkredit bemühte. Zu projektbezogen und zu wenig prognostizierbar stellt sich die Filmindustrie oftmals für die Kreditinstitute dar. Doch die letzte Klappe war noch nicht gefallen. Angetrieben von der Leidenschaft fürs Filmemachen und der Begeisterung für Menschen und ihre Geschichten, schrieb Jürgen Kleinig das Drehbuch für seine berufliche Erfolgsgeschichte selbst fort anstatt zu resignieren. Mit seiner Eigeninitiative gewann er letztlich die MBG als Partner, die über eine Mikromezzanin-Beteiligung frisches Kapital in seine Firma einbrachte.

Während des Finanzierungsprozesses lernte Jürgen Kleinig die MBG-Berater auch persönlich kennen. Deren kundenorientierte Betreuung schätzt er sehr: „Die Zusammenarbeit mit Herrn Wiehe und Herrn Hähnel von der MBG war von Anfang an von großer Menschlichkeit, Interesse und Empathie geprägt. So wünscht man sich ein Finanzinstitut! Gepaart war die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit geringen bürokratischen Hürden und einem wohltuenden Pragmatismus.“ Mit der Führung und Finanzierung von Unternehmen hat Jürgen Kleinig schon umfassende Erfahrungen gesammelt: Nachdem der Diplom-Biologe bei der Marco Polo Film AG zunächst als Tierfilmproduzent tätig war, leitete er mehrere Jahre ein Tochterunternehmen in Halle. Seit 2008 ist er in Leipzig mit seiner eigenen Produktionsfirma selbständig. Unter seiner Federführung entstehen bildgewaltige Dokumentationen, die sich Themen aus der Gesellschaft, Natur und Umwelt auf unvoreingenommene Weise und aus verschiedensten Blickwinkeln nähern. Sein filmischer Beitrag zur Lebensmitteldebatte mit dem Titel „10 Milliarden – wie werden wir alle satt?“ etwa avancierte 2015 zum erfolgreichsten deutschen Kinodokumentarfilm des Jahres und wurde auch im Fernsehen gezeigt. Den Film „MUHI – Generally Temporary“, der den israelisch-palästinischen Konflikt am Schicksal eines kranken Jungen nachzeichnet und 2017 Premiere feierte, vertreibt die Neue Celluloid Fabrik sogar selbst als Verleiher an deutsche Kinos.

Dass Jürgen Kleinig für die Produktion seiner Filme weit in Vorkasse gehen muss, liegt in der Natur der Filmfinanzierung begründet: Ein Großteil seiner Dokumentarfilme speist sich aus Fördergeldern der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM) sowie aus dem Verkauf von Lizenzen an Fernsehsender aus dem In- und Ausland. Aber auch Ko-Produktionen mit internationalen Partnern sind ein häufig gebrauchtes Finanzierungsinstrument. Vollständige Zahlungen kann Jürgen Kleinig allerdings erst auf seinem Firmenkonto verbuchen, wenn der Film fertiggestellt ist. Die Finanzmittel des MDM werden wie auch die Lizenzgebühren der Fernsehsender sukzessive je nach Produktionsfortschritt ausgezahlt. Gerade einmal die Hälfte der zugesagten Gelder fließt zum Zeitpunkt des Rohschnitts. Bis dahin muss er jedoch schon höhere Summen für Kamera-, Licht- und Tontechnik und für seine Mannschaft aufbringen; nicht zu vergessen sind Kostenfaktoren wie Flüge und Unterbringung an den teilweise weit entfernten Drehorten sowie Expeditionsausrüstung oder Dolmetscher vor Ort. Parallel investiert der ehrgeizige Wahl-Sachse, der aus dem Breisgau stammt, schon wieder Ressourcen in die Entwicklung neuer Filme. An rund zehn Projekten arbeitet er gleichzeitig, denn die Fertigstellung eines Films kann bis zu 5 Jahren dauern. Kein Wunder, dass das frei verfügbare Guthaben der Neuen Celluloid Fabrik mitunter knapp wird. So auch als zuletzt die Dreharbeiten für „Die Hirten“ starteten. Für den Mehrteiler begleitet ein Filmteam fünf Hirten aus fünf Ländern rund um den Globus bei ihrem Nomadenleben in der Natur.

Damit Jürgen Kleinig den kostenintensiven Film trotz weiterer Projekte finanziell stemmen und ohne lange Aufschubzeiten umsetzen konnte, eilte ihm die MBG zur Hilfe. „Die Erhöhung unserer Liquidität kam für unsere Projekte im genau richtigen Zeitpunkt. So konnten wir dieses Jahr vier statt drei Folgen unserer Hirten-Serie in Peru, Kirgistan, Indien und Brandenburg abdrehen und mussten nicht jeweils auf die entsprechenden Lieferraten der beteiligten Sender warten“, hält Jürgen Kleinig dankbar fest. In der Kapitalaufstockung sieht er aber auch über seine aktuellen Projekte hinaus einen großen Nutzen: „Langfristig erhoffen wir uns von der Beteiligung der MBG eine höhere Bonität und Flexibilität in unserem Verfügungsrahmen.“ Zugleich eröffnet ihm das Investment neue Perspektiven für die Finanzierung zukünftiger Projekte. Dass der Filmproduzent seinen Job versteht und die Gelder bei ihm eine sinnvolle Verwendung finden, belegt die Trophäensammlung in seinem Büro. Neben dem deutschen Naturfilmpreis hat er Auszeichnungen aller weltweit bedeutenden Filmfestivals abgeräumt, etwa beim International Documentary Film Festival Amsterdam (Niederlande) oder dem Guangzhou Doc International Film Festival (China). Zudem wurde der mit der Goldenen Taube des DOK Leipzigs geehrt, dem zweitgrößten Dokumentarfilmfestival in Europa. Wenn die DOK-Woche ab 28. Oktober 2019 wieder die Kinosäle in Leipzig erobert, ist Jürgen Kleinig natürlich mit von der Partie. Schließlich ist das Event für ihn ein Heimspiel.

 

Bildquelle: Neue Celluloid Fabrik