09.08.2019

Gute Nachrichten für umweltbewusste Feinschmecker – Suburban Seafood bringt erste nachhaltige Garnelenbrutanstalt Deutschlands an den Start

In der Lausitz zieht neues Leben ein: Wo einst Schweine gezüchtet wurden, werden bald schon Garnelenlarven für die Nahrungsmittelindustrie heranwachsen. Dieser Mission haben sich die Gründer der Suburban Seafood Nebelschütz GmbH verschrieben, die in Ostsachsen einen ausgedienten Schweinestall in eine technologisch ausgefeilte Garnelenbrutanstalt umbauen. Der in Nebelschütz entstehende Aquakulturbetrieb hat als erster seiner Art auf deutschem Boden Pioniercharakter. Bislang beziehen heimische Garnelenzüchter ihre Jungtiere, die sogenannten Besatztiere, ausschließlich von US-Produzenten. Insbesondere in puncto Umweltverträglichkeit wird Suburban Seafood den Anbietern aus den USA künftig einen großen Schritt voraus sein. Argumente genug für die MBG, sich an dem 2018 gegründeten Startup zu beteiligen und dessen Finanzbecken mit frischem Eigenkapital zu füllen.

Neben dem Kapital der MBG sowie privater Business Angels fließen von Seiten der SAB auch staatliche Fördermittel aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds in das zukunftsweisende BioTech-Projekt ein. Die Umbauarbeiten stehen kurz vor dem Abschluss und schon im nächsten Quartal will Suburban Seafood mit der Produktion von Besatztieren der pazifischen Weißbeingarnele starten. Das nahm der Sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Thomas Schmidt zum Anlass, sich zusammen mit MBG-Geschäftsführer Markus H. Michalow nun selbst ein Bild vom Stand der Dinge zu machen.

In Nebelschütz trafen die beiden Förderer auf ein junges, motiviertes Gründerteam, das sie durch die modernisierte Anlage führte. Der sächsische Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt zeigt sich beeindruckt: „Mit ihrer Garnelenbrutstätte zeigen die Gründer von Suburban Seafood, wie hier in Sachsen mit kreativen Ideen Wertschöpfung im ländlichen Raum geschaffen werden kann. Sie stellen eindrucksvoll unter Beweis, wie alte Bausubstanz wieder mit Leben erfüllt wird, ohne zusätzlich Flächen zu versiegeln.“ Größtenteils in Eigenleistung hat das Suburban Seafood-Team die leerstehende Sauenzuchtanlage auf ihren neuen Bestimmungszweck vorbereitet. So wurden etwa Systemwasserleitungen verlegt, mehrere Filterstrecken installiert sowie Dämmwände und Sicherheitstüren eingebaut. Dafür zollt MBG-Chef Markus H. Michalow den Nachwuchsunternehmern großen Respekt: „Was die Gründer hier in kurzer Zeit mit ihren eigenen Händen geschaffen haben, unterstreicht deren Tatendrang und bestätigt uns als MBG in unserem Investment. Überzeugt hatten uns neben dem innovativen Konzept von Suburban Seafood vor allem die umfangreichen Branchenkenntnisse des Gründerteams sowie der ökologisch nachhaltige Charakter des Vorhabens.“

Im Gegenzug kann sich Friedrich Tietze, Geschäftsführer und Mitgründer von Suburban Seafood, auf Experten-Beistand bei den wirtschaftlichen Herausforderungen einer Existenzgründung verlassen: „Mit der MBG als Kapitalgeber haben wir einen zuverlässigen und engagierten Partner gefunden, von dessen Erfahrung im Unternehmensaufbau und breiten Netzwerk wir sehr profitieren.“ Schon als Kind fühlte sich der Naturfreund zum Wasser und dem Leben darin hingezogen und züchtete Karpfen in einem kleinen Teich. Mittlerweile hat er sein Ingenieursstudium der Wasserwirtschaft abgeschlossen und sich auf künstliche aquatische Ökosysteme spezialisiert. Beim Umbau der Anlage in Nebelschütz verfolgen er und seine Kollegen den Anspruch, den ursprünglichen Lebensraum der Pazifikgarnele so naturgetreu wie möglich nachzubilden. Unter tropischen Klimabedingungen sollen Elterntiere in mehreren Wasserbecken zur Paarung gebracht und die Garnelenlarven ausgebrütet werden. Zur Wasserreinigung kommt das von Friedrich Tietze entwickelte Verfahren PILIMA (Poly-Integrated-Low-Input-Marine-Aquaculture) zum Einsatz. Während herkömmliche Reinigungsmethoden extrem viel Frischwasser verbrauchen, werden bei der effizienteren PILIMA-Technologie Würmer und Algen zum Filtern des Wassers und zugleich als Nährstoffträger genutzt. Damit schließt sich der natürliche Kreislauf. Antibiotika kommen den Gründern nicht ins Wasser, anders als bei vielen internationalen Garnelenproduzenten.

Dass der heimische Markt für Garnelenlarven aktuell noch in US-Hand ist, liegt an einer Importbeschränkung: Die jungen Krustentiere dürfen lediglich aus den USA in die EU eingeführt werden. Auf der anderen Seite des Atlantiks produzieren einige große Konzerne die Besatztiere und befördern diese dann per Luftfracht über eine Strecke von rund 10.000 Kilometern nach Europa, wo sie in Shrimpfarmen zur verzehrfertigen Garnele ausreifen. Diese geographisch lange Wertschöpfungskette wird Suburban Seafood um ein Vielfaches verkürzen. Damit verbessern sie auch die Ökobilanz der hiesigen Garnelenzüchter, wie Felix Kirsten, der Biotechnologe im Team, festhält: „Die kürzeren Lieferwege sparen nicht nur etliche Tonnen CO2-Ausstoß, sie sind auch im Sinne des Tierschutzes zu begrüßen.“ Darüber hinaus ermöglicht Suburban Seafood den Kunden, ihre gegenwärtige Abhängigkeit vom US-Export zu reduzieren. Letztes Jahr erst hatten die Monopol-Lieferanten aus den USA damit begonnen, ihre Ausfuhrmengen sukzessive zu reduzieren und so für Engpässe an Besatztieren in Europa gesorgt. Unterdessen steht auch die Gemeinde Nebelschütz voll und ganz hinter den Suburban Seafood-Gründern. Bürgermeister Thomas Zschornak hat alle Weichen dafür gestellt, dass sich das Startup und mit ihm hunderttausende Garnelen in der Region ansiedeln können.

Garnelenfarmen aus dem In- und Ausland haben bereits konkretes Interesse an Besatztieren bei Suburban Seafood angemeldet. Der Bedarf ist ungebrochen hoch. Nach Schätzungen des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung werden allein nach Deutschland jedes Jahr 50.000 Tonnen Krustentiere importiert, Tendenz steigend. Vor diesem Hintergrund prognostiziert MBG-Investmentmanager Patrick Krahl ein beträchtliches Marktpotenzial für das junge Unternehmen: „Die Nachfrage nach Shrimps und Garnelen aus regionaler Zucht zieht aktuell vor allem aufgrund eines wachsenden ökologischen Bewusstseins der Endverbraucher stark an. Mit der Produktion der dafür dringend benötigten Besatztiere ‚made in Saxony‘ lösen die Gründer von Suburban Seafood ein entscheidendes Problem deutscher und sogar europäischer Garnelenzüchter und tragen damit einen wichtigen Teil zur Förderung nachhaltiger Wirtschaftsstrukturen in der Lausitz bei.“ Demnach hat man in Nebelschütz allen Grund für Optimismus. Welche Meilensteine Suburban Seafood in naher Zukunft erreichen will, erklärt Roman Schwarz, der das 3-köpfige Team als Wirtschaftsingenieur und ehemaliger Gründungsberater komplett macht: „In 5 Jahren ist Suburban Seafood Marktführer für Garnelenlarven in Europa und produziert dann auch selbst bis zu 100 Tonnen verzehrfertige Garnelen pro Jahr.“ An einer klaren Zukunftsvision mangelt es dem Startup also genauso wenig wie an Kapital zu deren Realisierung.

Wenn auch Sie die Aquakulturanlage in Nebelschütz schon vor der Inbetriebnahme besichtigen wollen, sollten Sie sich den 24. August 2019 im Kalender notieren. An diesem Tag öffnet Suburban Seafood seine Türen für interessierte Besucher.

 

Bildquelle: MBG Sachsen