24.07.2019

Von der Wissenschaft in die Wirtschaft – DyNAbind macht Laborerkenntnisse für ressourcenschonende Arzneimittelforschung nutzbar

Die Suche nach dem Partner fürs Leben gestaltet sich nicht selten als langwieriges Unterfangen, dessem erfolgreichem Abschluss meist mehrere gescheiterte Beziehungsversuche vorausgehen. Selbst wenn man aus der Masse der Singles einmal den passenden, bindungswilligen Partner gefunden hat, ist das endlose Liebesglück noch lange nicht besiegelt. Ob die Beziehung wirklich eine Zukunft hat, zeigt sich erst im Alltag mit seinen großen und kleinen Bewährungsproben. Dabei spielt immer auch die vielzitierte Chemie zwischen zwei Personen eine entscheidende Rolle. Mit biochemischen Prozessen kennen sich die Gründer der DyNAbind GmbH bestens aus. Das BioTech-Startup aus Dresden handelt zwar nicht im Auftrag der Liebe, konzentriert sich dafür aber auf ein noch grundsätzlicheres menschliches Grundbedürfnis: die Gesundheit.

Das DyNAbind-Gründerteam um Geschäftsführer Mike Thompson hat eine innovative Technologie-Plattform entwickelt, mit der Arzneimittel besonders schnell und kostengünstig erforscht werden können. Denn ähnlich wie bei der Partnersuche gilt es bei der Erforschung eines Medikaments, die geeignete chemische Verbindung durch einen mehrstufigen Versuchsprozess ausfindig zu machen. Keine Experimente ging die DyNAbind bei der Wahl des Finanzierungspartners ein. Mit dem Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) holte sie sich einen erfahrenen Venture Capitalist an Bord.

Hervorgegangen aus einer Arbeitsgruppe an der TU Dresden, der einzigen Exzellenzuniversität in Mitteldeutschland, wurde DyNAbind zunächst zwei Jahre durch das EXIST-Gründerstipendium gefördert. In dieser Zeit entwickelten die Wissenschaftler ihre Laborerkenntnisse hin zur marktreifen Technologie, was 2017 in die formale Firmengründung mündete. COO Nobert Höfgen kennt durch seine langjährige Arbeit in der Pharma-Industrie nicht nur die Kundenbedürfnisse aus erster Hand, sondern auch die betriebswirtschaftlichen Anforderungen der Branche: „Ein Startup wie die DyNAbind GmbH kann sich in der Phase des Markteintritts aus eigener Kraft nur in kleinen Schritten entwickeln. Für eine schnelle Skalierung des Geschäftsmodells ist ein Seedinvestment unerlässlich. Wir freuen uns sehr, dass der TGFS frühzeitig von unserem Konzept überzeugt war und als ‚Finanzierungspartner vor Ort‘ zur Verfügung stand. Dieses Bekenntnis hat uns auch geholfen, weitere Investoren wie den High-Tech Gründerfonds und die TU Dresden AG zu gewinnen.“ Die Finanzspritze versetzt DyNAbind in die Lage, nun wirtschaftlich gestärkt in den Markt der Arzneimittelforschung vorzudringen. Ein Teil des frisch zugeführten Eigenkapitals wird für die Ausstattung des neuen Labors im BioInnovationszentrum Dresden genutzt, wohin das Unternehmen schon bald umzieht. Weiterhin steht laut Höfgen die Erweiterung des Patentportfolios und der Marketingaktivitäten auf dem Plan. 

Das Prinzip der DyNAbind-Technologie lässt sich mit dem einer Online-Partnerbörse vergleichen, die einem Single auf einen Klick zahlreiche Partnervorschläge präsentiert und in kürzester Zeit den oder die Richtige herausfiltert. Mit seinen „dynamischen DNA-kodierten Bibliotheken“ (D-DEL) verfügt DyNAbind über 125 Million Bindungskandidaten vereint in einem Gemisch diverser chemischer Substanzen, die sich gleichzeitig an einem erkrankten Protein testen lassen. Dank des DNA-Labels, das jeder Substanz wie ein Barcode anhängt, kann exakt bestimmt werden, welche Stoffe des Gemischs eine Bindung mit dem Zielprotein eingehen. Somit braucht nicht mehr jede Substanz einzeln getestet werden. CEO Michael Thompson drückt die Einsparpotenziale in konkreten Zahlen aus: „Im Vergleich zu traditionellen Methoden des Substanz-Screenings sind DNA-kodierte Bibliotheken etwa 10 mal schneller, bei nur noch 10% der vergleichbaren Kosten.“ Aber auch im Vergleich mit anderen Lösungen am Markt, die DNA-kodierte Substanzbibliotheken verwenden, sei man einen Schritt voraus: „Hier glänzen DyNAbind’s Dynamische Bibliotheken mit beispielloser Qualitätskontrolle und Zuverlässigkeit der Daten, wodurch das Auftreten ‚falsch positiver Hits‘ minimiert wird. Unsere Fragment-basierten Bibliotheken sind einzigartig und mit unserem Validierungssystem ‚Binding Profiler‘ können wir innerhalb von wenigen Wochen aussagekräftige Ergebnisse liefern, wofür Wettbewerber mehrere Monate brauchen.“

Mit seinen Alleinstellungsmerkmalen konnte DyNAbind auch die Investoren begeistern, wie TGFS-Investmentmanager Patrick Krahl erklärt: „Der DyNAbind GmbH ist es seit ihrer Gründung gelungen, eine neuartige Technologie zur verbesserten Medikamentenentwicklung am Markt einzuführen, welche zu hohen Kosten- und Zeitersparnissen bei Abnehmern wie Big Pharma und forschenden BioTech-Unternehmen führt.“ Vor allem auch die Personen hinter DyNAbind ließen den TGFS an die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens glauben: „Überzeugt haben uns das international aufgestellte akademische Gründerteam sowie der fachlich stark fundierte und vernetzte Gesellschafterkreis. Hier bestehen bereits gute Beziehungen zu Forschungseinrichtungen und BioTech Unternehmen, welche vielversprechende Potenziale für die weitere Entwicklung der GmbH aufzeigen.“ Dabei öffnet DyNAbind die Arzneimittelforschung auch für Organisationen ohne große Budgets. Bislang konnten sich nämlich nur Pharmakonzerne die aufwändigen Laborexperimente leisten. Mit der ressourcenschonenden DyNAbind-Technologie erhalten auch akademische Gruppen oder Startups der Biotechnologiebranche Zugang zu aussagekräftigen, validen Forschungsergebnissen. Insofern trägt der TGFS mit seiner Beteiligung an DyNAbind dazu bei, dass künftig noch mehr wirksame Medikamente erforscht werden können. Schließlich gibt es keinen kostbareren Return on Investment als Menschen von Krankheit zu heilen.

 

Über Technologiegründerfonds Sachsen

Der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) stellt technologieorientierten Gründern Beteiligungskapital für die Seed- und Startup-Phase zur Verfügung. Der Fonds wurde 2008 mit einem Volumen von 60 Mio. EUR aufgelegt und im März 2016 auf mehr als 124 Mio. EUR aufgestockt. Zielunternehmen des TGFS sind junge, innovative, technologieorientierte Gründer und Unternehmen, die den Branchen ITK, Halbleiter- und Mikrosystemtechnik, Medizintechnik, Life Science, Umwelt- und Energietechnik sowie Neue Medien angehören. Der TGFS richtet sich an junge Unternehmen mit Sitz oder Betriebsstätte in Sachsen.

 

Bildquelle: DyNAbind GmbH