25.06.2019

Künstliche Intelligenz für smarte Energielösungen – Software-Tool EDGAR löst Excel-Tabellen in der Anlagenplanung ab

Von der heutigen modernen Energieversorgung konnten unsere frühen Vorfahren in der Steinzeit nur träumen: Wollten die Urmenschen vor über 30.000 Jahren Licht und Wärme in ihrer Höhle haben, so mussten sie Brennmaterial sammeln und dann durch geschicktes Aufeinanderschlagen von Pyrit und Feuerstein mit viel Geduld ein Feuer entfachen. Wir haben es da heute bequemer. Ein Drücken auf den Lichtschalter oder ein Drehen am Heizungsregler genügt und unser Zuhause wird hell und warm.

So beiläufig wir heute Energieträger wie elektrischen Strom oder Fernwärme nutzen, so ausgeklügelt sind die Technologien dahinter. Entsprechend aufwändig gestaltet sich die Planung, wenn Gebäude oder gesamte Quartiere mit Energie versorgt werden sollen. Die technischen Optionen erscheinen schier grenzenlos. Um bei aller Komplexität den Blick auf relevante Kennzahlen nicht zu verlieren, hat das Freiberg Institut für vernetzte Energieautarkie (kurz: Freiberg Institut) ein KI-basiertes Software-Tool entwickelt: EDGAR - ein Akronym für Engineering, Design, Genetic Algorithm und Revenue - erlaubt Entscheidern der Energie- und Immobilienwirtschaft, die optimal auf ihre ökonomischen und ökologischen Ansprüche ausgerichtete Versorgunglösung zu finden. Der Funke ist auch auf den Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) übergesprungen: Er brachte in der jüngsten Finanzierungsrunde neues Kapital in das Startup aus Freiberg ein.

Nachdem EDGAR erst als internes Tool im Beratungsgeschäft Einsatz fand, soll die Anwendung nun mit den Geldern aus dem TGFS zu einer „Software as a Service“ weiterentwickelt und als skalierbares Produkt vertrieben werden. Dieses Vorhaben beurteilt TGFS-Investmentmanager Martin Liebsch aus guten Gründen als erfolgsversprechend: „Das Spin-Off der Ressourcenuniversität Technische Universität Bergakademie Freiberg kann auf ein motiviertes Gründerteam am Standort Freiberg zurückgreifen, das bereits über valide Erfahrung bei der Entwicklung von Softwareprodukten verfügt sowie mit Prof. Leukefeld auf einen national und international vernetzten Energieexperten setzen kann.“ Umgekehrt erlebte Gründer Konrad Uebel die Betreuung seiner Investitionspläne durch den TGFS als ebenso zielführend: „Mit der Zusammenarbeit sind wir als Team des Freiberg Instituts sehr zufrieden. Es war von Beginn an ein offenes und konstruktives Arbeiten. Wir wurden in vielen Bereichen unterstützt und beraten.“ Im Verlauf des Finanzierungsprozesses, der im Interesse des Unternehmers zügig abgewickelt wurde, entstand auch eine zwischenmenschliche Beziehung: „In dieser kurzen Zeit hat sich schnell ein gegenseitiges Vertrauen aufgebaut, die Zusammenarbeit ist partnerschaftlich. Wir freuen uns deshalb auf den gemeinsam vor uns liegenden Weg.“ Diesen Weg hat der TGFS mit seinem Engagement nun zumindest in finanzieller Hinsicht geebnet.

Doch zurück zum Anfang: Die Entwicklung einer Kalkulationssoftware für den Energiesektor trieb Konrad Uebel zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Technischen Universität Bergakademie Freiberg voran. Zusammen mit Studenten entstand unter Federführung von Anne Mädlow die erste Betaversion von EDGAR. An der Hochschule lernte der Gründer auch Timo Leukefeld, ebenfalls Absolvent der Bergakademie, kennen, den er als Dozent in seine Vorlesung über regenerative Energieträger einlud. Die beiden hatten aufgrund ihrer geteilten Fachinteressen und „can do“-Mentalität direkt einen Draht zueinander. So stieg Timo Leukefeld, der immer wieder auch in Ratgeber-Sendungen des MDR zu Gast ist, bald als Gesellschafter in das frisch gegründete Freiberg Institut ein. Über seine langjährigen Branchenkontakte öffnete der Unternehmer bereits die Tür zu etlichen Pilotkunden – sei es direkt zu den Energieversorgern oder vermittelt über die Wohnungsgenossenschaften, die hier wortwörtlich eine Gatekeeper-Rolle einnehmen. "Durch meine Vorträge komme ich mit vielen Top-Entscheidern zusammen, die an der Lösung immer komplexerer Fragestellung arbeiten. EDGAR ist in der Lage, auf wissenschaftlicher Basis in kurzer Zeit optimale Antworten dafür zu finden", beschreibt Timo Leukefeld die Vorzüge der Software.

Unter Rückgriff auf eigene Modellbibliotheken bildet EDGAR ein komplettes Energieversorgungssystem ab und ermöglicht die Simulation von langfristigen Planungszeiträumen. So können beispielsweise ein Photovoltaik-Batterie-System für ein Mehrfamilienhaus oder ein Nahwärmenetz auf Quartiersebene berechnet und bewertet werden. Zur Konzeptionierung und Dimensionierung der jeweiligen Versorgungsstrukturen macht sich EDGAR evolutionäre Algorithmen zu Nutze. Auf diese Weise werden wirtschaftliche, ökologische sowie technische Bilanzen für technisch umsetzbare Szenarien erstellt und anschließend das optimale Szenario für die jeweilige Fragestellung des Nutzers ausgewählt. Vor allem auch die viel diskutierte Energiewende, die Versorger verstärkt auf CleanTech-Lösungen wie Windkraft, Biogas oder Erdwärme umrüsten lässt, eröffnet neue Anwendungsfälle für die Software. Dabei gehen die Einsatzmöglichkeiten über die reine Energieversorgung im Wohnumfeld hinaus, worauf TGFS-Investmentmanager Martin Liebsch verweist: „E-Mobilität, insbesondere Mobilitätslösungen in ländlichen und urbanen Regionen oder Quartieren, stellen spannende, zukunftsfähige Herausforderungen für Wirtschaft und Politik dar.“ Mit der zunehmenden Verbreitung von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen, die eng an die flächendeckende Installation von Ladestationen gekoppelt ist, dürfte auch die EDGAR-Lösung des Freiberg Instituts weiter an Fahrt aufnehmen.

Übrigens: Zur weiteren Markterschließung will das Freiberg Institut auch personell aufstocken und sucht aktuell nach zwei Business Development Managern (m/w/d) mit Schwerpunkt Marketing sowie Vertrieb / Projektmanagement. Sie sind interessiert an einer spannenden Tätigkeit im dynamisch wachsenden Energiesektor?

Geschäftsführer Konrad Uebel freut sich über Ihre aussagekräftige Bewerbung unter Angabe des frühestmöglichen Eintrittstermins und der Gehaltsvorstellungen an konrad.uebel@freiberg-institut.de.

 

Bildquelle: Freiberg Institut GmbH