11.12.2018

Mit Forscherherz und Unternehmergeist in die Selbständigkeit – denovoMATRIX-Gründer erhalten Investments von zwei hochkarätigen Tech-Fonds

30 Billionen – eine Zahl von kaum vorstellbarer Größenordnung, die ausgeschrieben ganze 13 Nullen zählt. Aus 30.000.000.000.000 Zellen setzt sich laut Schätzungen der Wissenschaftler ein erwachsener menschlicher Körper zusammen, von Haut-, über Blut- bis hin zu Nervenzellen. Würde man die durchschnittlich nur wenige hundertstel Millimeter großen Zellen aneinanderlegen, reichen sie rund 20 Mal um die Erde. Für die medizinische Forschung sind vor allem die Stammzellen interessant, die zur Behandlung von Krankheiten wie etwa zur Krebstherapie verwendet werden. Sie reproduzieren sich durch Zellteilung permanent selbst und können je nach Ausdifferenzierung verschiedene Gewebe bilden oder reparieren. Diese besonderen Eigenschaften macht sich auch die denovoMATRIX GmbH aus Dresden zu Nutze.

Das im August 2018 gegründete Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt spezifische Biomaterial-Beschichtungen, die die menschliche Zellumgebung nachahmen. Durch die Beschichtung lassen sich Stammzellen, wie sie für die regenerative Zelltherapie benötigt werden, relativ schnell und in jeder beliebigen Art züchten. denovoMATRIX vervielfältigt aber nicht nur Stammzellen, sondern konnte nun auch das eigene Stammkapital vermehren. Vom Unternehmenskonzept überzeugt, beteiligte sich der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) zusammen mit dem High-Tech Gründerfonds (HTGF) aus Bonn als Co-Investor an dem sächsischen Startup.

Schon etliche Monate vor der Unternehmensgründung nahm das internationale denovoMATRIX-Team um CEO Dejan Husman Kontakt zum TGFS auf. „Durch die Möglichkeit uns mit dem TGFS und insbesondere unseren Investment-Manager Martin Liebsch über zwei Jahre zu treffen, konnten wir eine enge Beziehung aufbauen und unsere Fortschritte als Team sowie unsere Erfolge als junges Startup zeigen. Während der Due Diligence und des gesamten Investitionsprozesses habe ich Martin Liebsch und den TGFS als äußerst professionell und effizient bei der Arbeit empfunden - und auch als sehr geduldig, um unsere recht komplexe Technologie- und Geschäftsstrategie zu durchdringen“, berichtet der denovoMATRIX-Geschäftsführer. Martin Liebsch vom TGFS, der zusammen mit Deutschlands größtem Seedinvestor in das Startup einstieg, gibt das positive Feedback gern zurück: „Die Zusammenarbeit und Verhandlung mit dem fachlich versierten Gründerteam sowie dem Lead-Investor High-Tech Gründerfonds erfolgte auf sehr vertrauensvoller Basis.“ Alle Parteien haben das gemeinsame Ziel verfolgt, „die hoch innovativen Biomaterialbeschichtungen der denovoMATRIX am Markt schnellstmöglich einführen zu können.“ Mit dem Venture Capital der beiden Gründerfonds wird die Markterschließung nun weiter vorangetrieben. So soll künftig ein Sales Manager den Vertrieb von denovoMATRIX verstärken. Zudem will das junge Unternehmen sein Online-Marketing ausbauen, aber auch offline bei Konferenzen und Roadshows neue Kunden gewinnen.

Um die Funktionsweise der denovoMATRIX-Technologie zu verstehen, bedarf es eines kurzen Ausflugs ins Chemielabor. Hier werden die aus dem Humangewebe entnommenen Stammzellen für Therapie- und Forschungszwecke kultiviert. Damit sich die Zellen wie im menschlichen Körper verhalten, muss ihre Wachstumsumgebung mit einem speziellen Biomaterial beschichtet werden. Bislang verwendete man dafür einen Extrakt, der aus Tumorzellen von Mäusen gewonnen wird. Dieser eignet sich aufgrund des tierischen Ursprungs jedoch nicht für klinische Anwendungen. Anders die biomimetischen Beschichtungen von denovoMATRIX, die aus drei synthetischen Komponenten bestehen: Oligosaccharide, Peptidsequenzen und Polymergerüste werden in einer Matrix gebündelt und simulieren so eine menschennahe, organische Zellumgebung. Die einzelnen Komponenten lassen sich dabei flexibel im Baukastensystem kombinieren. Mit der screenMATRIX, welche bereits im Web verkauft wird, erhalten Kunden eine sogenannte Well-Platte samt 96 verschiedenen Kombinationen. Damit können die Forscher dann in Experimenten untersuchen, welche der Biomatrizen ein gesundes Wachstum der zu reproduzierenden Zellen fördert. Haben sie die ideale Bausteinkombination für ihren individuellen Verwendungszweck gefunden, können sie die jeweilige myMATRIX in Form von vorbeschichteten Zellkulturgefäßen in diversen Größen erwerben.

Die beiden Produkte screenMATRIX und myMATRIX sind das Ergebnis eines mehrjährigen Forschungsprojektes an der Technischen Universität Dresden, aus dem denovoMATRIX hervorging. Ein EXIST Forschungstransfer des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ebnete den Wissenschaftlern den Weg in die Selbständigkeit. Dabei wurden denovoMATRIX-CEO Dejan Husman die unternehmerischen Ambitionen quasi in die Wege gelegt. Als Kind zweier Geschäftsinhaber war ihm schnell klar, „dass ein traditioneller Schreibtischjob nicht das ist, was ich mir vorstellen kann.“  Während seiner Doktorarbeit festigte sich der Wunsch, ebenfalls selbständig tätig zu sein. Letztlich habe ihn „eine Kombination aus Prägung durch eine unternehmerische Familie und dem Bedürfnis aktiv meine Zukunft zu gestalten“ motiviert, sein eigenes Unternehmen zu gründen. Heute beschäftigt denovoMATRIX schon sechs Mitarbeiter mit unterschiedlichen Kompetenzen, darunter Chemiker, Bioverfahrenstechniker, Zellbiologen und BWLer. Sein Lager hat das Startup in einem visionären, fachlich passenden Arbeitsumfeld aufgeschlagen, was TGFS-Manager Martin Liebsch in dem Investment bestätigt: „Der neue Firmenstandort im BioInnovationsZentrum Dresden wird dem Projekt und dem Team weitere Synergieeffekte für zukünftiges Wachstum liefern. Schlussendlich passt der erste Bio-Tech-Deal des TGFS Basic branchenseitig hervorragend in die Portfoliostrategie des sächsischen Frühphasen- und Startup-Finanzierers.“

Sie möchten noch tiefer in die Materie eindringen? Kein Problem. Im Rahmen verschiedener Innovationswettbewerbe wurde bereits umfassend über denovoMATRIX berichtet. Die Organisatoren des IQ Innovationspreis Mitteldeutschland haben dem diesjährigen Sieger einen eigenen Artikel mit Video gewidmet. Anlässlich des futureSAX-Ideen­wett­bewerbs 2018, bei dem sich denovoMATRIX den dritten Platz holte, erschien zudem ein Interview mit Dejan Husman.

 

Über den Technologiegründerfonds Sachsen

Der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) ist ein seit 2008 bestehender Risikokapitalfonds, der zuletzt im März 2016 auf mehr als € 124 Millionen aufgestockt wurde. Er beteiligt sich durch die Investition von Eigenkapital und/oder eigenkapitalähnlichen Mitteln an jungen, technologieorientierten Unternehmen, die die Kriterien der EU-Kommission für kleine und mittlere Unternehmen erfüllen und ihren Sitz in Sachsen haben.

Über den High-Tech Gründerfonds

Der Seedinvestor High-Tech Gründerfonds (HTGF) finanziert Technologie-Startups mit Wachstumspotential. Mit einem Volumen von insgesamt € 892,5 Millionen verteilt auf drei Fonds sowie einem internationalen Partner- Netzwerk hat der HTGF seit 2005 bereits 500 Startups begleitet. Der Fokus liegt auf High-Tech Gründungen aus den Branchen Software, Medien und Internet sowie Hardware, Automation, Healthcare, Chemie und Life Sciences.

 

Bildquellen:

1 – Alex Hanicke

2 – Magdalena Gonciarz

3 – denovoMATRIX