11.05.2016

Im Interview: Erzgebirgischer Jung-Hotelier mit Leib und Seele

Seinen Traum, die Welt als Pilot zu entdecken, tauschte Benny Langer gegen seine Heimat. Mit nur 25 Jahren übernahm der junge Erzgebirger 2013 das Familienunternehmen, Hotel „Fichtenhäusel am Pöhlagrund“ in Bärenstein. Für seinen Mut, Fleiß und Verantwortungsbewusstsein wurde er 2015 mit dem Sonderpreis des Sächsischen Meilensteins geehrt. Heute ist er glücklich, das Lebenswerk seiner Eltern übernommen zu haben. Welche Herausforderungen der Jungunternehmer im Übernahmeprozess meisterte und welchen Rat er Unternehmern für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge mit auf den Weg gibt, erfahren Sie im Interview.

Herr Langer, knapp ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem Sie mit dem Sächsischen Meilenstein 2015 prämiert wurden. Welche Resonanz erfuhren Sie nach der Preisverleihung und was hat sich seither geändert?

Die Resonanz war wirklich unglaublich. Bereits die Nominierung war ein großer Erfolg für uns. Aber das, was danach noch alles kam, vor allem an Medienberichten und Feedback von Hotelgästen, war für uns in dieser Form nicht absehbar. Schon am Tag nach der Preisverleihung wurden wir von Gästen bei der Begrüßung darauf angesprochen und beglückwünscht. Seitdem vergeht kein Tag, ohne dass uns unsere Besucher zu der Auszeichnung gratulieren. Es zeigt sich, dass uns viele neue Gäste besuchen, weil sie über die Medien auf uns aufmerksam geworden sind. Eigentlich hatten wir schon vor dem Wettbewerb alle Hände voll zu tun, aber seitdem wir mit dem Sächsischen Meilenstein prämiert wurden, können wir uns vor Gästen kaum retten.

Sie haben im Alter von 25 Jahren das Hotel Ihrer Eltern übernommen. Welche Herausforderungen haben Sie und Ihre Familie – auch mit einem Blick auf emotionale Aspekte – bewältigt?

Bei einer familieninternen Übergabe kann vor allem der Altersunterschied eine Rolle spielen. So haben Eltern aufgrund ihrer langjährigen Arbeit viel mehr Erfahrung. Als Nachfolger ist man natürlich gewillt die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens fortzuschreiben, aber mit seiner eigenen Handschrift. In diesem Gestaltungsprozess können Auseinandersetzungen entstehen, die es bei uns allerdings nicht wirklich gab. Meine Eltern standen mir in der Zeit der Übernahme und auch heute noch unterstützend zur Seite. Wir ergänzen uns sehr gut und arbeiten gemeinsam für ein Ziel. Unser Verhältnis hat sich über die Zeit auch von einer Eltern-Kind-Beziehung zu einer echten Freundschaft entwickelt. Natürlich sind im Übernahmeprozess auch Diskussionen entstanden, aber wir sind immer auf einen gemeinsamen Nenner gekommen.

Welche konkreten Herausforderungen haben Sie gemeinsam mit Ihren Eltern gemeistert?

Als wir das Objekt damals übernahmen, war es ein typischer DDR-Bau, der seit seiner Errichtung nicht renoviert worden war. Dadurch entstanden in den vergangenen zwei Jahren wesentlich mehr Baustellen, als wir eigentlich eingeplant hatten. Beispielsweise mussten wir unerwartet das Dach neu ausbauen. Das war ein finanziell intensives Projekt, bei dem andere Pläne vorerst zurückgestellt werden mussten. Demnach ist die größte Herausforderung bis heute, den Spagat zwischen den absolut notwendigen Investitionen und der Umsetzung der eigenen Vorstellungen, die wir für das Fichtenhäusel haben, zu schaffen.

Welche Veränderungen planen Sie für das Fichtenhäusel in den nächsten Jahren?

Grundsätzlich basiert bei uns alles auf eigenen Ideen und eigener Initiative. In Zukunft wollen wir die von mir persönlich geführten Touren durch das Erzgebirge erweitern und neben Motorrad- und Mountainbikefahrten als kleines Highlight einen Ausflug auf eine Rennstrecke in Tschechien oder den benachbarten Sachsenring anbieten. Für eine Stunde bekommen unsere Gäste so die Möglichkeit, mit ihrem eigenen Fahrzeug Rennluft zu schnuppern. Für die Besucher ist das besonders attraktiv, da sie bei uns Urlaub machen und gleichzeitig ihr Hobby ausleben können. Daneben wollen wir im Hotel ein professionelles Qualitätsmanagement einrichten, um dem gestiegenen Anspruch an unser Haus gerecht zu werden. Damit haben wir bereits begonnen, indem wir beispielsweise eine neue Weinkarte erarbeitet haben. An unserer traditionell bodenständigen Küche halten wir jedoch weiter fest. So gesehen ergänzen wir Altbewährtes mit neuen, frischen Erweiterungen und setzen dabei alles mit sehr viel Herzblut um.

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Unternehmern mit auf den Weg geben, damit die Nachfolge innerhalb der Familie ähnlich erfolgreich gestaltet werden kann wie Ihre?

In erster Linie erfordert die Unternehmensnachfolge sehr viel Mut und Durchhaltevermögen. Es gibt gute aber auch viele schlechte Tage. Wichtig ist es, den Kopf niemals hängen zu lassen und stets nach vorne zu schauen. Man muss sich der Herausforderung bewusst sein und dieser mit einer großen Portion Herz und Leidenschaft begegnen. Gleichzeitig sollte die Übernahme auch als Chance angesehen werden, Neues zu erlernen und Verantwortung zu übernehmen. Dabei ist es wichtig, diesen Prozess nicht allein zu bewältigen. Da ich aufgrund des hohen Zeitdrucks, der in der Gastronomie herrscht, wenig Spielraum hatte, um wirtschaftliche und finanzielle Aspekte selbstständig zu bearbeiten, habe ich mir externe Unterstützung von Experten geholt. Ein Buchhalter und ein Unternehmensberater standen mir während des Nachfolgeprozesses beratend zu Seite. Gerade im Hinblick auf die Finanzierung des Vorhabens hat mir das sehr viel Arbeit erspart, zu der ich schlicht keine Zeit hatte.